Karl Marx: Das Kapital

Ich habe natürlich nicht vor, dieses Buch komplett durchzugehen, habe aber einen Link von ihm auf eine Zusammenfassung von Otto Rühle bekommen.

Es ging ihm um das Kapitel:

Der Produktionsprozess des Kapitals

VI. Der Arbeitslohn

17. Verwandlung von Wert respektive Preis der Arbeitskraft in Arbeitslohn

Das Kapitel analysiere ich gerne. Natürlich nicht aus der Sicht des 19. Jahrhunderts, sondern aus aktueller Sicht in einer globalisierten Welt, die eigentlich auf Kapitalismus, also der freien Marktwirtschaft, basieren sollte.

Das Buch

  1. Auf der Oberfläche der bürgerlichen Gesellschaft erscheint der Lohn des Arbeiters als Preis der Arbeit, ein bestimmtes Quantum Geld, das für ein bestimmtes Quantum Arbeit bezahlt wird. Was dem Geldbesitzer direkt auf dem Markt gegenübertritt, ist also nicht die Arbeit, sondern der Arbeiter.
  2. Was der letztere verkauft, ist seine Arbeitskraft. Sobald seine Arbeit tatsächlich beginnt, hat sie bereits aufgehört, ihm zu gehören, kann also nicht mehr länger von ihm verkauft werden.
  3. Die Arbeit ist die Substanz und das immanente Mass der Werte, aber sie selbst hat keinen Wert.

Meine Interpretation

  1. Heute gibt es keine Arbeiter mehr im herkömmlichen Sinne. Es gibt Angestellte. Jemand, der den Service von einem Angestellten nutzen möchte, muss diesen auf dem freien Markt mit Geld überzeugen, dies auch zu tun.Wenn man nur an dem Service interessiert ist, kauft man diesen bei einem Subunternehmer, ansonsten muss man mit Angestellten verhandeln und sich mit ihm einig werden.
  2. Der Angestellte verkauft das Versprechen, den gewünschten Service zu liefern. Das ist normalerweise an bestimmte Regeln, wie Arbeitszeiten, nüchtern zur Arbeit kommen, etc. gebunden. Zuvor hat man sich auf diese Regeln geeinigt und verpflichtet den Arbeitgeber zur pünktlichen Zahlung des vereinbarten Lohns. Es gibt normalerweise wenige Regeln, was der Angestellte in der Zeit macht, wenn er nicht seinen Verpflichtungen durch den Arbeitsvertrag eingeht. Er kann sich also durchaus noch wo anders produktiv einbringen und damit zusätzliches Geld verdienen.
  3. Die Arbeit, ich würde hier Arbeitsergebnis sagen, hat natürlich einen Wert. Während die Arbeitszeit eher irrelevant ist, ist das was am Ende raus kommt doch das wichtigste bei dem Angestelltenverhältnis. Niemand wird jemanden anstellen wollen, der zwar wie ein Ochse arbeitet, aber dessen Ergebnis keinen Wert hat.

Die Lohn-Form verwischt jede Spur der Teilung des Arbeitstages in notwendige Arbeit und Mehrarbeit, in bezahlte und unbezahlte Arbeit. Jede Arbeit erscheint als bezahlte Arbeit.

Der Arbeitsvertrag regelt, welche Arbeit wann erledigt werden muss. Falls Überstunden anfallen, werden diese in der Regel vergütet und können normalerweise auch nicht erzwungen werden. So lange sich der Angestellte im Firmengelände aufhält ist somit seine Arbeit entsprechend Vertrag bezahlt.

  1. Bei der Sklavenarbeit erscheint selbst der Teil des Arbeitstages, den der Sklave nur benutzt, um den Wert seiner eigenen Existenzmittel zu ersetzen, indem er in der Tat nur für sich allein arbeitet, als Arbeit für seinen Herrn. Alle Sklavenarbeit erscheint als unbezahlte Arbeit.
  2. Bei der Lohnarbeit erscheint dagegen sogar die Mehrarbeit oder unbezahlte Arbeit als bezahlte Arbeit.
  1. Sklaven werden traditionell als produktive Gegenstände gewertet, die man pflegen muss, damit deren Wert erhalten bleibt. Das Geschäftsmodell ist also erzwungene Produktivität gegen Minimum an Pflege (Essen, Unterkunft, etc.). Das hat aber mit der heutigen Situation nichts zu tun.
  2. Die Lohnarbeit basiert auf einem Arbeitsvertrag in dem Arbeit und Vergütung geregelt sind.
  1. Stellen wir uns auf den Standpunkt eines Arbeiters, der für 12 Stunden Arbeit, den Wert, der durch 6 Stunden Arbeit erzeugt wird, sagen wir 3 Shilling, erhält.
  2. Für ihn ist in der Tat seine 12stündige Arbeit das Mittel, 3 Shilling zu kaufen.
  3. Der Wert seiner Arbeitskraft mag variieren mit dem Wert seiner gewohnheitsmässigen Lebensmittel von 3 auf 4 Shilling oder von 3 auf 2 Shilling, oder bei gleichbleibendem Wert der Arbeitskraft mag ihr Preis, infolge wechselnder Verhältnisse von Nachfrage und Angebot, auf 4 Shilling steigen oder auf 2 Shilling fallen, er gibt stets 12 Arbeitsstunden.
  4. Jeder Wechsel in der Grösse des Äquivalents, das er erhält, erscheint ihm notwendigerweise als Wechsel im Wert oder Preis seiner 12 Arbeitsstunden.
  1. Hier benutzt Marx eine unzulässige Vereinfachung. Nehmen wir mal an, ein Arbeiter veredelt Metallplatten, die danach das doppelte wert sind. Diese Verdopplung entspricht seinem doppelten Tageslohn. Aber er hat das ja mit der Logistik und den Produktionsmitteln der Firma gemacht. Auch Kollegen in der Buchhaltung, Controlling, Wasserkopf der Verwaltung muss alles bezahlt werden. Der normale Arbeiter kann gar nicht wissen, was sein Mehrwert ist. Das kann man nur durch Bilanzierung über die gesamte Firma feststellen.
  2. Für die Erfüllung seines Vertrages stehen ihm die 3 Shilling zu. Quid pro quo.
  3. Durch Fluktuationen auf dem Markt, kann das Produkt (und damit sein erbrachter Anteil) steigen oder fallen genau so wie die Lebenshaltungskosten. Wenn die Situation aus der Balance fällt, muss nachverhandelt werden. Der Arbeitnehmer kann eine Gehaltserhöhung verhandeln, der Arbeitgeber wechseln oder sich selbständig machen. Der Arbeitnehmer kann durch Änderungskündigung das Gehalt des Arbeitnehmers senken oder ihn entlassen. Solche Schritte sind notwendig, wenn sich ein Produkt nicht mehr als marktgerecht erweist.
  4. Der Arbeitnehmer nimmt nur die Änderung der Lebenshaltungskosten wahr. Wenn er schlau ist, erkennt er aber einen wachsenden Gewinn durch seine Arbeit beim Arbeitnehmer und kann nachverhandeln.
  1. Nehmen wir andererseits den Kapitalisten.
  2. Er will soviel Arbeit wie möglich für so wenig Geld wie möglich.
  3. Praktisch interessiert ihn daher nur die Differenz zwischen dem Preis der Arbeitskraft und dem Wert, den ihre Funktion erzeugt.
  4. Aber er sucht alle Waren so billig wie nur möglich zu kaufen und erklärt sich überall seinen Profit aus der einfachen Prellerei, dem Kauf unter und dem Verkauf über dem Wert.
  5. Er kommt daher nicht zur Einsicht, dass, wenn so ein Ding, wie Wert der Arbeit, wirklich existierte und er diesen Wert wirklich zahlte, kein Kapital existieren, sein Geld sich nicht in Kapital verwandeln würde.
  1. Nehmen wir einen Unternehmer in der freien Marktwirtschaft. Das sollte ein Kapitalist sein.
  2. Der Unternehmer ist an Nachhaltigkeit seines Unternehmens bei guter Rendite interessiert.
  3. Heruntergebrochen auf einzelne Angestellte interessiert ihn, einen Mehrwert durch den erbrachtem Service deutlich über dem gezahlten Gehalt inkl. aller Nebenkosten zu erwirtschaften. Die Arbeitskraft ist eigentlich egal. Wenn ich eine Verkäuferin in der Bäckerei habe, die vor den Kunden in der Nase bohrt und diese nicht gut bedient, so dass sie nicht wiederkommen, könnte sie auch 20 Stunden arbeiten. Eine Halbtagskraft, die das doppelte bekommt und die Kunden nett bedient und motiviert ist dem Unternehmer viel lieber.
  4. In der Warenwirtschaft sucht sich der Unternehmer unter gleichen Waren die günstigste (das muss nicht nur der Preis sein, auch die Zuverlässigkeit des Lieferanten, die Sicherheit dieses Produkt auch langfristig zu bekommen und vieles andere bestimmen den Wert des gekauften Produkts. Wenn aber alles gleich ist, wird ein normaler Unternehmer natürlich die günstigste Lösung wählen. Das hat aber nichts mit Prellerei zu tun, weil jeder, der die Waren anbietet, diese ja auch nur dann verkaufen wird, wenn er das für sich selbst von Vorteil hält. Was den Verkauf angeht, so muss sich der Unternehmer am Markt orientieren. Er braucht Kunden, die bereit sind, seine Waren zu kaufen. Für jeden Kunden hat eine Ware einen individuellen Wert. Wenn ein Unternehmer Waren oberhalb dieses Wertes anbietet, wird er mit diesem Kunden kein Geschäft machen.
  5. Ein vernünftiger Unternehmer sieht seine Angestellten als sein Kapital und wird alles dafür tun, dass Mitarbeiter, die zum Unternehmenserfolg beitragen, im Unternehmen gehalten werden. Nur ein Idiot würde seine Mitarbeiter unter ihrem Wert bezahlen, weil dann die guten abwandert werden und sein Unternehmen leiden wird.